Geschichte der Bergbräu

Die Privatbrauerei Bergbräu wurde Mitte des 18. Jahrhunderts in Uslar gegründet.

Der Weg zur Braureieröffnung

Die Männer des Hauses Haffner haben in ununterbrochener Geschlechtsfolge der Stadt als Stadtmusikanten gedient. Der Musikus Wilhelm Haffner war der erste, der nach Uslar kam. Dieser Haffner gehörte zu jenen Protestanten, die im Jahre 1731/1732 aus religiösen Gründen das Salzburger Land verlassen hatten und im wesentlichen in Ostpreußen eine neue Heimat gefunden hatten. Dieser Salzburger Haffner, sein Sohn und sein Großsohn Wilhelm Haffner, der Begründer der Brauerei, haben der Stadt Uslar (Stich) ein ganzes Jahrhundert hindurch als Stadtmusikanten gedient.

Kupferstich der Traditionsstadt Uslar im Mittelgebirge

Kupferstich der Traditionsstadt Uslar im Mittelgebirge

Gründer Friedrich Wilhelm Haffner

Gründer Friedrich Wilhelm Haffner

Friedrich Wilhelm Haffner (Bild), der im Jahre 1868 die Brauerei gründete, wird schon vor dieser Zeit in standesamtlichen Urkunden als Essigfabrikant und eben Stadtmusikus bezeichnet. Schon sein Vater hatte um das Jahr 1800 einen Nebenerwerb gesucht und bei den städtischen Kollegien um die Erlaubnis gebeten, in Uslar ein Brauhaus eröffnen zu dürfen. Die Stadt hatte damals das alleinige Braurecht inne und schöpfte aus diesem Recht durch Verleihung von Braugerechtsamen (Braurechten) einen Teil der Mittel, die sie zur Erfüllung ihrer Verwaltungsaufgaben benötigten.

Das Gesuch um Genehmigung zur Errichtung einer Braustätte lehnte die Stadt damals ab, wahrscheinlich aus der Befürchtung, durch die Errichtung einer solchen Braustätte ihre eigenen Einnahmen aus dem Bierverkauf zu schmälern. Erst nach dem Zusammenbruch des Königreichs Hannover wurde dann im Jahre 1867 die Genehmigung erteilt und mit der Eröffnung des Braubetriebes im Januar 1868 in dem alten Brauhaus auf der Graft (Bild) der Grundstein für die Sollinger Bergbrauerei gelegt.

 

Eröffnungsanzeige der Brauerei

Eröffnungsanzeige der Brauerei

1860 heiratete Friedrich Wilhelm Haffner Anna Wilhelmine Johanning, die Tochter eines Essigfabrikanten aus Vahle. Gemeinsam mit seinem Schwiegervater eröffnete der gelernte Brauer F.W. Haffner am 14. Januar 1868 das Brauhaus „Auf der Graft 8“. Nebenstehende Eröffnungsanzeige erschien in den Sollinger Nachrichten.

 

 

 

 

Historischer Firmensitz im Herzen Uslars

Historischer Firmensitz im Herzen Uslars

Neubau der Brauerei

In der Brauerei wurde zunächst nur Braunbier hergestellt. Das bis dahin angewendete Verfahren bei der Herstellung des Braunbiers – des Broyhans wurde in der Weise geändert, dass das Braunbier nun unter Hopfenzusatz gebraut wurde.

Neuer Firmensitz in der Rosenstraße

Neuer Firmensitz in der Rosenstraße

Der Umsatz dieses Braunbieres hat sich in den ersten fünf Jahren nach Gründung der Brauerei so stark gesteigert, dass 1873 an die städtischen Kollegien in Uslar und an die Gemeine Allershausen den Antrag richtete, ihm einen Teil des Geländes am Dinkelhäuserweg käuflich erwerben zu lassen, welches damals Umland war und dem Weiden von Gänsen diente.

Der Kauf sollte zur Anlage eines Bier- und eines Eiskellers erfolgen. Nach der Genehmigung im Jahr 1873 sind die vorgesehenen Bauten errichtet worden. Bezahlt ist dieses Gelände mit einem Thaler für die Quadratrute, die damals einem Flächeninhalt von 21,8 qm entsprach.

Das Eis für den Eiskeller wurde aus dem Eisteich vor dem Eichholz (Bild) geschlagen. Bis in die 1930er Jahre diente dieser Eisteich jedoch für die Bekühlung des Bierkellers und der Bierleitungen der Wirte.

Da der Transport der Biere von der Braustätte auf der Graft im Laufe der Jahre mit der Umsatzsteigerung Schwierigkeiten bereitete, erschien es notwendig, auch das Brauhaus in den Dinkelhäuserweg zu verlegen. Das ist nach Zuerwerb weiterer Parzellen der Gänseweide im Jahre 1887 in den Jahren danach geschehen. Seither befindet sich die Brauerei ununterbrochen auf jenem Grundstück.

Erweiterungsflächen

Erweiterungsflächen

Durch zwei Kriege zum modernen Qualitätsbetrieb

Wilhelm “Willi“ Haffner (1888-1964) hat mit seinen Fähigkeiten und Leistungen den Fortbestand der Brauerei gesichert. Er hat den Betrieb nach zwei Kriegen durch Krisenzeiten hindurchgesteuert und mit Umsicht und Geschick den Braubetrieb wieder in Gang gebracht. Das Bier wurde aus Molke hergestellt und dabei ein Getränk gewonnen, das den Durst vieler in diesen mageren Nachkriegszeiten löschte. In den 50er- und 60er Jahren sind alle notwendigen Maßnahmen ergriffen worden, um den Betrieb den damaligen Erfordernissen moderner Braukunst und dem ständig steigenden Absatz anzupassen.

Historische Abfüllanlage

Historische Abfüllanlage

Der Flaschenbieranteil am Gesamtumsatz hatte sich nach dem Krieg mehr als verdoppelt und der Anteil lag 1966 bei etwa 60 %. Das Sudhaus wurde dementsprechend erneuert, Lager- und Gärkeller erweitert. Um allen Ansprüchen gerecht zu werden, wurden weiterhin neue Flaschenspül-, Flaschenfüll- und Förderanlagen angeschafft. Innerhalb kürzester Zeit wurden somit alle Voraussetzungen für die Herstellung und den Verkauf von Qualitätsbieren geschaffen.

 

 

 

Historische Abfüllanlage

Historische Abfüllanlage

Heute ist die Privatbrauerei Bergbräu ein traditionsbewusstes und zugleich innovatives Unternehmen: Sudkessel und Tanks aus Stahl sorgen für ein stets gleichgut schmeckendes Bier, moderne Technik nimmt den Mitarbeitern die schwere Arbeit ab. Kontinuierlich wurde investiert und die Technik in der Brauerei modernisiert. 1989 entstand ein neues Sudhaus. Die alten Kupferkessel wurden durch neue Edelstahltanks ersetzt. Die Kapazität wurde somit auf 50.000 hl verdoppelt. 1990/91 folgten die Tanklager-Erweiterung und die Planungen für die neue Flaschenabfüllung und das Palettenlager in der Brauerei-Haffner-Straße im Industriegebiet. 1993 wurden anlässlich der 125-Jahr-Feier die zwei großen Hallen eingeweiht.

Zeichnung der Brauerei vor der Abfüllerweiterung

Zeichnung der Brauerei vor der Abfüllerweiterung

Impressionen der Erweiterung in den 90er Jahren

Teil der Abfüllstraße

Teil der Abfüllstraße

Teil der Abfüllstraße

Teil der Abfüllstraße

Teil der Abfüllstraße

Teil der Abfüllstraße

Das Bier wird nun über eine Pipeline von der Brauerei hoch in den neuen Komplex gepumpt, wo es in drei jeweils 200 Hektoliter fassende Tanks bis zur Abfüllung zwischengelagert werden kann. Hier werden heute 20.000 Flaschen pro Stunde gefüllt.

Die Spezialitätenbrauerei

Tankerweiterung in den 90er Jahren

Tankerweiterung in den 90er Jahren

Gab es zunächst nur das Dunkelbier mit der Bezeichnung Broyhans, so wurde zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auf zwei Biersorten umgestellt, ein Export und ein Pils. Später kam noch ein Malzbier hinzu.

Anlässlich des Uslarer Altstadtfestes wurde auf Anregung des damaligen Uslarer Bürgermeisters ein Festbier gebraut. Das untergärige Bier mit dem braunen Malz wurde ein voller Erfolg. Innerhalb von anderthalb Tagen wurde ein Sud getrunken – 5000 Liter! Diese überaus positive Resonanz war die Initialzündung für die Geburt unseres Altstadt Dunkels. 1998 wurde dieses Bier vom Dortmunder Bierclub zum Bier des Jahres gewählt und 2013 und 2014 zweimal in Folge vom Ministerpräsidenten Niedersachsen Stephan Weil zum Botschafter Niedersachsens gekürt.

Heute gibt es zusätzlich ein umfangreiches Sortiment an Weißbier, alkoholfreien und Mischgetränken sowie Pale Ale-Bieren. Ein ausgezeichneter Mai- und Doppelbock darf natürlich auch nicht fehlen, sind diese saisonalen Biere nicht zuletzt Aushängeschild einer jeden handwerklichen Privatbrauerei.

Machen Sie sich selbst ein Bild von unserer handwerklichen Brauerei und nehmen Sie an unserer Brauereiführung teil.